Deutscher Verband für Angewandte Geographie e.V.

Bachelor- und Masterstudium

Der sog. Bologna-Prozess bringt eine Umstel­lung der seit Ende der 1960er Jahre erfol­gre­ich einge­führten Diplom- und (der später nachge­fol­gten) Mag­is­ter-Stu­di­engänge im Fach Geo­gra­phie mit sich. Ziele der Umstel­lung sind u.a.

  • eine inter­na­tionale Ver­gle­ich­barkeit der Stu­di­en­in­halte und Abschlüsse
  • eine stärkere Inter­na­tion­al­isierung des Studi­ums durch Aus­land­saufen­thalte u.ä.
  • eine Ver­schlankung und Verkürzung des Studi­ums
  • eine stärkere Beruf­sori­en­tierung schon während der uni­ver­sitären Aus­bil­dung.

Obgle­ich in der Geo­gra­phie die Diplom- und Mag­is­ter­aus­bil­dung dur­chaus als Erfol­gsmod­ell bew­ertet wer­den kann, kon­nte sich das Fach — wie fast alle Fäch­er — der poli­tisch gewoll­ten Umstel­lung nicht entziehen. Diese Umstel­lung wurde — dur­chaus auch seit­ens des DVAG — mit ein­er kri­tisch-kon­struk­tiv­en Skep­sis beurteilt, gle­ich­wohl hat der DVAG in ein­er den genan­nten Zielvor­gaben entsprechen­den Änderung der Stu­di­engänge auch die Chance gese­hen, seine Erfahrun­gen und Forderun­gen hin­sichtlich ein­er Opti­mierung und Weit­er­en­twick­lung der beste­hen­den Stu­di­engänge ein­fließen zu lassen.

Schon frühzeit­ig hat der DVAG in ein­er Arbeits­gruppe der Deutschen Gesellschaft für Geo­gra­phie gemein­sam mit den Part­nerver­bän­den der Hochschul­geo­gra­phie, der Hochschul-Fach­di­dak­tik und der Schul­geo­gra­phie ein Grund­konzept für geo­graphis­che Bach­e­lor-Stu­di­engänge erar­beit­et. Ins­beson­dere Aspek­te wie

  • die Fes­tle­gung von Min­dest­stan­dards für Beruf­sprak­ti­ka
  • die Aus­rich­tung der Stu­di­en­in­halte weniger an fach­lich­er Tra­di­tion, son­dern an heuti­gen Arbeits­mark­ter­fordernissen
  • die Bedeu­tung von Exa­m­en­sar­beit­en mit ange­wandt-geo­graphis­ch­er Aus­rich­tung sowie
  • die Wichtigkeit, Lehrbeauf­tragte aus der Prax­is in die Stu­di­engestal­tung einzu­binden

kon­nten erfol­gre­ich einge­bracht wer­den. Diese Stan­dards — allerd­ings auf­grund ihres nur empfehlen­den Charak­ters nicht ver­gle­ich­bar mit den Vor­gaben der früheren Diplom­rah­menord­nung — müssen und mussten dann allerd­ings in den jew­eili­gen geo­graphis­chen Hochschulin­sti­tuten umge­set­zt wer­den. Dabei arbeit­et der DVAG part­ner­schaftlich mit dem Ver­band der Geo­graphen an Hochschulen (VGDH) zusam­men. Der DVAG hat im Rah­men sein­er Möglichkeit­en und gewün­schter Nach­frage Ange­bote zur konkreten Stu­di­en­planaus­gestal­tung wahrgenom­men. Schließlich hat der DVAG mehrfach über die sog. Evaluierungsagen­turen, die jeden neuen Stu­di­en­gang zu bew­erten haben, bei der Akkred­i­tierung aus Sicht der Beruf­sprax­is mit­gear­beit­et.

Vielfach zeigen sich Erfolge in ein­er Entschlankung der Stu­di­en­in­halte bei gle­ichzeit­ig zunehmender Berufs- und Prax­isori­en­tierung der Stu­di­engänge. Allerd­ings ist die Über­sichtlichkeit und Ver­gle­ich­barkeit auf­grund sehr hochschul­spez­i­fis­ch­er geo­graphis­ch­er Stu­di­en­ange­bote zwis­chen­zeitlich teil­weise ver­loren gegan­gen. Auch hat durch straffe Lehrplangestal­tung die Ver­schu­lung des Studi­ums zugenom­men. Hier erken­nt der DVAG dur­chaus weit­eren Hand­lungs­be­darf zur Nachjustierung und zur hochschulüber­greifend­en Koor­di­na­tion.

Die Ange­bote des DVAG, die Insti­tute bei der Umstel­lung aus beruf­sprak­tis­ch­er Sicht zu unter­stützen, wur­den und wer­den gle­ich­wohl unter­schiedlich wahrgenom­men, hier gilt es weit­er Aufk­lärungsar­beit im Sinne geo­graphis­ch­er Arbeits­mark­t­per­spek­tiv­en aufzuzeigen. Allerd­ings ist es derzeit für eine Gesamt­be­w­er­tung der Bach­e­lor- und Mas­ter-Umstel­lung auf­grund noch zu geringer Abschlusszahlen zu früh.