DVAG
DVAG

Das Regionalforum Erlangen-Nürnberg verfolgt zwei Ziele: Zum einen ist uns die Vernetzung von Geographinnen und Geographen im Beruf wichtig. Hierfür finden monatliche Stammtische in der Region statt. Zum anderen ist uns der Kontakt zwischen Studierenden der Geographie und deren zukünftigen Arbeitgebern ein Anliegen. Durch Praxisforen sollen die Studierenden Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag erhalten und erste Kontakte zu berufstätigen Geographen knüpfen können. Darüber hinaus sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Exkursionen, Workshops, Podiumsdiskussionen – das Forum lebt ganz wesentlich vom Engagement seiner Teilnehmer …

Sprecher des Forums sind Markus Neufeld (Jg. 1983) und Simon Reichenwallner (Jg. 1986). Dipl.-Geogr. Markus Neufeld ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geographie der Universität Erlangen. Dort bearbeitet er Themen der angewandten Regionalentwicklung bei Prof. Dr. Tobias Chilla, der das DVAG-Regionalforum aktiv unterstützt. Simon Reichenwallner (M. A.) ist Netzwerkmanager der Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e. V. und arbeitet an einer besseren Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu Energiethemen in der Metropolregion Nürnberg.

Folgen Sie dem DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg auch bei Facebook!

  • Kontakt:

Dipl.-Geogr. Markus Neufeld
E-mail: markus.neufeld [at] geographie.uni-erlangen.de

Simon Reichenwallner
E-Mail: simon.reichenwallner [at] energieregion.de


  • Geographen-Stammtisch Erlangen

Am 2. Mittwoch im Monat, 19.00 Uhr

Steinbach Bräu
Vierzigmannstraße 4
91054 Erlangen
www.steinbach-braeu.de


  • Praxisforum Geographie

Das Praxisforum findet jedes Semester mit wechselnden thematischen Schwerpunkten am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Organisiert wird es vom DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg. Kooperationspartner sind die Alumniarbeit der Fränkischen Geographischen Gesellschaft sowie die Fachschaftsinitiative Geographie. Die Podiumsdiskussion mit berufstätigen Geographen dient der Berufsorientierung von Geographie-Studenten und gewährt dabei Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag.

Aktuelle Termine entnehmen Sie bitte unserer Facebook-Seite sowie dem Veranstaltungskalender des DVAG.


  • Bisherige Veranstaltungen

zu den einzelnen Berichten bitte Überschriften anklicken

Praxisforum Umwelt, 30.01.2017

Exkursion ‚Frankens Energiezukunft – dezentral und erneuerbar?`, 21.10.2016, 13:00 Uhr

Praxisforum ‚Unternehmensberatung‘, 13.06.2015, 18:30 Uhr

Praxisforum ‚Risikomanagement‘: Von flächendeckenden Stromausfällen und schwimmenden Casinos, 25.01.2016, 18:30 Uhr

Praxisforum ‚Big Spatial Data‘, 08.06.2015, 18:30 Uhr

Praxisforum ‚Mobilität‘ – ein Abend unter Kollegen, 12. Januar 2015, 18:30 Uhr

"Herzo-what?" Global Players in Franken - Exkursion des DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg, 19. September 2014, Herzogenaurach

Praxisforum ,Energie': Von Erneuerbaren Energien und Schweizer Taschenmessern, 2. Juni 2014

Praxisforum ‚Netzwerkmanagement': Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?, 3. Februar 2014

Im Westen geht die Sonne auf? Strukturwandel und Kreativwirtschaft ‚Auf AEG‘ - Exkursion des DVAG-Regionalforums Erlangen-Nürnberg, 11. Oktober 2013

Praxisforum ‚GIS': Traumjob GIS? Die Mischung macht´s!, 29. April 2013

Exkursion: Blühende Stadtlandschaften? Impulse durch die Landesgartenschau 2012 in Bamberg. 28. Septemberl 2012

Praxisforum ‚Regionalmanagement', 21. Mai 2012


  1. Praxisforum Umwelt


vl. Moderator Simon Reichenwallner, Mathias Paulus, Julia Heinisch, Christian Bialas

Mehr als Umweltschutz!

Die nachhaltige Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen und die Bewältigung von Umweltproblemen stellen komplexe Herausforderungen im Schnittstellenbereich von Umwelt und Gesellschaft dar, welche nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise gelöst werden können. Im Rahmen des 9. Praxisforums Geographie, das am 30. Januar 2017 am geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg stattfand, diskutierten drei Geographen über ihre berufliche Tätigkeit im Bereich Umwelt.

Wenn oft behauptet wird, dass im Studium erlernte Inhalte eher praxisfern und im Beruf nur von überschaubarem Nutzen sind, so  ist Diplom-Geograph Mathias Paulus  der lebendige Beweis, dass dem nicht (immer) so ist. Als Projektleiter im Bereich Boden­kunde beim Ingenieurbüro Gibs geologen + ingenieure in Nürnberg ist er für die Erhebung, Verarbeitung, Bewertung und Dokumentation von(Boden-)Daten zuständig – und profitiert in hohem Maße von seiner physisch-geographischen Ausbildung. Im Fokus stehen dabei bodenkundliche Betrachtungen, die Kartierung von Böden, abfall­rechtliche Probenahmen und Bewertungen, boden­schutzrechtliche Untersuchungen (Altlastenerkun­dungen) sowie GPS gestützte Vermessungen. Klar, dass da GIS-Skills grundlegend sind, auch wenn man „mit GIS-Kenntnissen heute keinen Arbeitsplatz mehr nachgeschmissen bekommt.Man muss sich schon eine Spezialisierung schaffen, um konkurrenzfähig zu sein“, weiß Paulus zu berichten. Seinen Einstieg bei dem Ingenieur-Büro hat Mathias Paulus über vorherige freiberufliche Tätigkeiten geschafft – und zugegebenermaßen noch nie eine Bewerbung geschrieben. Die selbständige Tätigkeit habe natürlich ihren Reiz gehabt, aber man arbeite eben auch „selbst und ständig“. Da sei eine Festanstellung, die sich nach zahlreichen Kooperationen ergeben habe, schon auch komfortabel. Wer eine Selbständigkeit anstrebe, für den sei auch durchaus eine Promotion ratsam, ansonsten genüge der Master-Abschluss: „Reine Bachelor-Absolventen beschäftigten wir allerdings nicht.“

Ein potentieller Kunde von Mathias Paulus ist die Stadt Nürnberg, die beim inzwischen 9. Praxisforum durch Diplom-Geograph Christian Bialas vertreten war. Als Mitarbeiter des Umweltamtes beschäftigt er sich insbesondere mit der Umweltprüfung im Rahmen der städtischen Bau­leitplanung. Als physischer Geograph hat er während seines Studiums und seinen späteren beruflichen Tätigkeiten zwar „auch ein paar schöne Sommer in der fränkischen Provinz beim Graben von Bodenprofilen verbracht“, letzten Endes seien jedoch „die im Studium angeeignete analytische Herangehensweise und die erlernten GIS-Methoden sehr hilfreich für den derzeitigen Job“. So ist Bialas insbesondere für die im BauGB geregelte Durchführung der Umweltprüfung sowie die Erstellung des dazugehörigen Umweltberichts verantwortlich. Zentral sei dabei die Koordination des Abstimmungsprozesses zwischen Mitarbeitern der Stadt und externen Prüfern, um eine umfassende Berücksichtigung aller Aspekte für die Umweltprüfung zu gewährleisten. Ganz konkret wird Bialas beispielsweise bei der geplanten Ansiedlung eines Möbelhauses aktiv. Dies sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, dient der Umweltbericht doch dem Stadtrat als Entscheidungsgrundlage für das jeweilige Bauvorhaben. Langeweile komme da nicht auf: „Jedes Projekt ist anders!“

Julia Heinisch ist als Master of Arts der Kulturgeographie fast schon eine Exotin auf dem Podium. Sie ist Corporate Sustainability Manager EMEA bei der Arthrex GmbH, einem weltweit führen­den Unternehmen im Bereich Orthopädie, Arthroskopie, Sportmedizin und Ortho­biologie. Was das mit Umwelt zu tun hat? Heinisch ist für den Aufbau und die Weiterentwicklung von Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen nach DIN EN ISO 9001 bzw. 14001 zuständig. „Konkret geht es darum verschiedenste Prozesse im Unternehmen unter Umwelt- und Qualitätsaspekten unter die Lupe zu nehmen und daraus dann Verbesserungen abzuleiten, die zum Beispiel zur Vermeidung von Müll oder zu mehr Energieeffizienz beitragen“, erläutert Heinisch. Aus dem Geographiestudium stammt ihr großes Interesse für Nachhaltigkeit. Bei der Jobsuche hat sie sich entsprechend fokussiert und als sie den räumlichen Radius etwas ausgeweitet hat, war schnell der Berufseinstieg geglückt. Mit einigen Fortbildungen im Gepäck ist sie nun international unterwegs. Ihre Reisefreudigkeit und das Interesse an anderen Kulturen kommen ihr dabei durchaus zu Gute: „Die Exkursionen während des Studiums waren da gar keine schlechte Vorbereitung“, weiß Heinisch zu berichten. Und auch wenn Qualitätsmanagement manchmal ein mühsames Geschäft sei, weil alle Prozesse genau unter die Lupe genommen würden, zieht sie genau daraus auch ihre Motivation: „Wenn ich sehe, dass auch alteingesessene und erfahrene Niederlassungsleiter meine Empfehlungen umsetzen, um Ressourcen noch effizienter einzusetzen, dann freue ich mich besonders und habe das Gefühl wirklich etwas Sinnvolles zu tun!“ Und so weit weg von den beiden anderen Podiumsgästen ist sie dann doch nicht: „Natürlich machen auch wir uns genau Gedanken darüber, welche Abfälle wir wie und wo entsorgen.“

Deutlich wurde an diesem Abend, dass die Tätigkeit im Berufsfeld ‚Umwelt‘ weit mehr ist als reiner Umweltschutz – auch wenn am Ende viele Bausteine dazu beitragen: von der Altlastenerkundung über die Umweltprüfung bis hin zum Umweltmanagement gibt es für Geographen eine Menge zu tun! Die zahlreichen Besucher des Praxisforums honorierten die Offenheit der Referenten und nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch.

 

Stimmen zum Praxisforum ‚Umwelt‘

„Es war erfrischend zu sehen, dass die Klischees des klassischen Umweltschützers nicht mehr taugen, sondern auch in der freien Wirtschaft lukrative Beschäftigungsmöglichkeiten für Geographen vorhanden sind, die sich gerne im Umweltbereich engagieren. Umweltmanagement hatte ich dabei noch gar nicht auf dem Schirm!“

Alicia, BA-Studentin

„Für mich war es interessant, dass die Übungen aus dem Geländepraktikum wirklich auch relevant für die spätere berufliche Tätigkeit sein können und der Umgang mit dem Pürckhauer eben nicht nur eine Pflichtübung im Studium ist. Besonders die Arbeiten im Bereich der Altlastenuntersuchungen finde ich interessant. Ich fand gut, dass die Referenten so offen und ehrlich über ihre Arbeit und auch ihren Jobeinstieg berichtet haben.“

Hannes, BSc-Student


 

  • Exkursion "Frankens Energiezukunft - dezentral und erneuerbar?"

Bild: Spurensuche im Frankenwald: Teilnehmer der Exkursion zur Energiezukunft Frankens im oberfränkischen Markt Stammbach (Lkr. Hof)

Mehr als ein Viertel der Stromeinspeisung innerhalb der Metropolregion Nürnberg entstammt dezentralen, erneuerbaren Energiequellen. Den Löwenanteil tragen dabei Biomasse und Solarenergie mit jeweils rund 40%, die Windkraft steuert knapp 15% bei. Mehr als 110.000 Beschäftigte erwirtschaften jährlich einen Umsatz von rund 27 Mrd. Euro in der Energiebranche – und dies in ca. 14.000 vorwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen. Grund genug für das DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg, die Frage nach der Energiezukunft in der Region zu stellen und sich auf eine Spurensuche in den oberfränkischen Markt Stammbach (Lkr. Hof) zu begeben: welche Potenziale bietet die klimafreundliche und regionale Energieversorgung für Franken? Erstmals kooperierte das Regionalforum dabei mit der Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e. V.

 

Windkraft – Hoffnungsträger und Politikum

Zu Beginn der Exkursion stand für die mehr als ein Dutzend Geographen und weiteren Interessierten die Besichtigung einer Windkraftanlage auf dem Programm. Bei fast winterlichen Außentemperaturen gab Manfred Striegl, Windkraftexperte beim Projektentwickler Primus Energie GmbH, einen umfassenden Einblick in die Anlagentechnik und die Rahmenbedingungen für die Planung und den Betrieb der Anlage, die ca. 2.700 Haushalte mit Strom versorgt. So müsse beispielsweise gewährleistet sein, dass Wohngebäude in der Umgebung nur maximal 30 Minuten pro Tag durch Schattenwurf betroffen seien. Andernfalls müsse die Anlage zeitweise abgeschaltet werden. Dies führe jedoch nur zu Ertragsverlusten von maximal ca. 1 % im Jahr, was vernachlässigbar sei.

Dipl.-Geogr. Martin Füßl, Regionsbeauftragter für die Planungsregion Oberfranken-Ost bei der Regierung von Oberfranken, erläuterte an dieser Stelle auch die Historie der Windkraft in Oberfranken und die enge Kooperation von Regionalem Planungsverband, Kommunen, Trägern öffentlicher Belange und Entwicklern. Oberfranken sei in den 90er Jahren der erste bayerische Regierungsbezirk gewesen, der überhaupt über die Einbindung von Windkraftanlagen in die Regionalplanung nachdachte: „Damit aus ‚Landschaft‘ nicht irgendwann ‚Gegend‘ wird!“ erklärt Füßl. Ab 2009 formierte sich dann Widerstand gegen den vermeintlichen Wildwuchs der Windkraftanlagen und man setzte fortan bereits bei der Standortsondierung auf eine sehr enge Kooperation mit den Windkraftentwicklern und örtlichen Verbänden sowie auf eine breite Bürgerbeteiligung. „Transparenz, Transparenz, Transparenz!“ lautete die Devise von Füßl, der in der ‚heißen Phase‘ in nahezu allen Gemeinderäten der Region vorstellig geworden sei. Dabei entwickelten die Windkraftgegner durchaus eine gehörige Portion Kreativität: „Wenn damals jede vermeintliche Schwarzstorch-Sichtung aus der Bevölkerung richtig gewesen wäre, gäbe es heute in Oberfranken über 5.000 Schwarzstörche“, rechnet Füßl mit einem Augenzwinkern vor. Trotzdem hätten gerade Beobachtungen von Einheimischen viele neue Aspekte in die Diskussion eingebracht. Mit der wachsenden Anzahl der Windkraftanlagen stieg der politische Druck in den folgenden Jahren enorm an und gipfelte schließlich in der Ende 2014 verordneten, Seehofer‘schen 10H-Regelung: Der Mindestabstand einer Windkraftanlage von Wohngebäuden in Gebieten mit Bebauungsplan muss das 10-fache ihrer Höhe betragen. Diese bundesweit einmalige Vorgabe machte den (Neu-)Bau von Windkraftanlagen in Bayern praktisch unmöglich. Glücklicherweise sei die Windkraftplanung in Oberfranken vor der Verordnung abgeschlossen worden, sodass heute rund 220 Anlagen Oberfranken mit erneuerbarem Strom versorgen. Nicht außer Acht zu lassen sei dabei die enorme regionale Wertschöpfung: „Bei einem Investitionsvolumen von ca. einer Milliarde Euro ist auch ein erklecklicher Teil in der Oberfranken geblieben“, weiß der Regionalplaner zu berichten.

 

Nahwärme – Energie in Bürgerhand

Um die Verknüpfung regionaler Wertschöpfung mit erneuerbarer Energieerzeugung geht es auch der Energievision Frankenwald e. V. Der gemeinnützige Verein entwickelt, fördert und begleitet vor allem Projekte, bei denen die Bürger die regenerative Energieproduktion vor Ort selbst in die Hand nehmen. Im Bioenergiedorf Gundlitz, einem Gemeindeteil Stammbachs, bietet ein Nahwärmenetz mit Hackschnitzelheizung ein geeignetes Anschauungsobjekt. Seit 2012 ist das System in Betrieb und versorgt rund 20 Privathaushalte sowie einen gewerblichen Betrieb und ein öffentliches Gebäude mit Wärme – und auch die Exkursionsteilnehmer profitierten in den mollig-warmen Betriebsräumen von einem angenehmen Mikroklima.

Dipl.-Geogr. Martin Kastner ist Projektleiter bei der Energievision Frankenwald und hat das Projekt von Anfang an begleitet: „Rund 500.000 Euro haben wir hier investiert, davon haben die Bürger vor Ort knapp 20% übernommen“. Zwar liege der Abnahmepreis für die hier produzierte Wärme über dem derzeitigen Ölpreis, aber dafür seien die Abnehmer keinerlei Preisschwankungen in den nächsten 15 Jahren ausgesetzt. Und auch die Ökobilanz spreche für sich: ca. 126 Tonnen CO2 würden jährlich durch das Nahwärmenetz vermieden. Außerdem ergäben sich praktische Synergieeffekte vor Ort: „Die Hackschnitzelheizung befindet sich auf dem Gelände eines holzverarbeitenden Unternehmens, das anfallendes Abfallholz gleich zu Hackschnitzeln verarbeitet.“ Das Holz stamme aus den umliegenden Wäldern – im Frankenwald quasi ubiquitär vorhanden – und nach dem Verheizen werde die Asche dann wieder von den örtlichen Landwirten als Dünger auf die umliegenden Felder ausgebracht. Mehr regional, dezentral und erneuerbar geht kaum …

Wie also gestaltet sich die Energiezukunft in Franken? Simon Reichenwallner, Sprecher des DVAG-Regionalforums und zugleich Netzwerkmanager der Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e. V. wagt ein vorsichtiges Fazit: „Die Potenziale für eine dezentrale und erneuerbare Energiezukunft sind auf jeden Fall vorhanden, aber es wurde deutlich, dass nicht immer alles überall machbar ist.“ Stimmt: im Nachbarort von Gundlitz scheiterte ein vergleichbares Nahwärmeprojekt, weil die örtlichen Bewohner sich nicht auf eine Kooperation einigen konnten. „Unser Anliegen seitens der ENERGIEregion Nürnberg ist es natürlich, möglichst viele Akteure in der Metropolregion Nürnberg von einer Zusammenarbeit im Sinne der Energiewende zu überzeugen!“

 

Blick über Oberfranken

Noch einmal frisch wurde es bei der abschließenden Besteigung des Weißensteinturms, dem nach Auskunft örtlicher Experten weltweit einzigen Turm aus Eklogit, einem vulkanischen, metamorphen Gestein, das hier zu Tage tritt. Den Exkursionsteilnehmern bot sich ein faszinierender Rundumblick über Frankenwald und Fichtelgebirge. Dabei waren nicht mehr nur die zahlreichen Windkraftanlagen in der Umgebung Gegenstand geographischer Diskussionen: Etliche Fabrikschlote zeugen hier von der textil-industriellen Vergangenheit Oberfrankens.

Den Ausblick nutzte Dipl.-Geogr. Markus Neufeld vom Institut für Geographie der Universität Erlangen für ein kurzes Resümee aus Sicht der Regionalentwicklung: „Die Energiewende ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel verschiedener Instrumente der Regionalentwicklung auf den verschiedenen räumlichen Ebenen.“ Finanzielle Mittel flössen beispielsweise aus EU-Förderprogrammen, so profitiere das Bio-Energiedorf Gundlitz u.a. von einer LEADER-Förderung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen würden schließlich auf der nationalen, bzw. regionalen Ebene festgelegt, was keineswegs nur die planerischen Vorgaben umfasse (EEG etc.). Und schließlich spielten auch die eher ‚weichen‘, persuasiven Instrumente eine Rolle, und dies vor allem auf der lokalen Ebene: „Ohne die Überzeugungsarbeit von Klimaschutzmanagern, Netzwerkinitiativen oder Vereinen wie der Energievision Frankenwald sowie dem Commitment der Privatpersonen sind solche Projekte kaum vorstellbar.“

Im nahe gelegenen Berggasthof klang die Exkursion schließlich am Kaminfeuer aus – eine willkommene Gelegenheit zum Aufwärmen – und zum Austausch mit alten und neuen Bekannten.

Simon Reichenwallner & Markus Neufeld

 

Stimmen zur Exkursion:

"Spannend waren die unterschiedlichen Herangehensweisen und Perspektiven der lokalen Experten aus Regionalplanung, Privatwirtschaft und dem bürgernahen Verein. Der abschließende Rundblick vom Aussichtsturm war sehr gut gewählt; das Beisammensein im Wirtshaus sehr angenehm. Alles in allem gelungen und interessant!“

Dipl.-Geogr. Felix Peters,Bamberg

"Die Einblicke in Möglichkeiten dezentraler Energieerzeugung auf regionaler und lokaler Ebene waren sehr interessant. Anhand der Beispiele der Windkraft und des Bioenergiedorfs wurde auch deutlich, welche Herausforderungen dabei zu überwinden sind, die aber durch aktive Förderung und gemeinschaftliches Engagement gemeistert werden können. Ich finde, dass erneut klar wurde, dass eine dezentrale Energiewende möglich ist, wenn man sich den Herausforderungen stellt und auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeitet."

Eva Kaisinger, M.A. Kulturgeographie,Nürnberg

 


 

  •  Praxisforum Unternehmensberatung

Breit aufgestellt mit klarem Profil

DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg

Magdalena Blank (li.) und Philipp Köppe (re.) im Gespräch mit Markus Neufeld

Foto: Simon Reichenwaller

Consulting ist in der Geographie schon seit langer Zeit kein Fremdwort mehr. Unzählige Geographen beraten erfolgreich Politik und öffentlichen Dienst – und Unternehmen! Neben einer gehörigen Portion betriebswirtschaftlichem Knowhow wird dabei auch die Interdisziplinarität zur Kernkompetenz, von klugen Antworten auf raumbezogenen Fragestellungen ganz zu schweigen. Im Rahmen des 8. Praxisforums Geographie, das im Juni am geographischen Institut der Universität Erlangen stattfand, diskutierten zwei Unternehmensberater über ihre Tätigkeit im Consulting.

Morgens früh aufstehen, mit dem Zug, Auto oder Flugzeug in eine andere Stadt um an verschiedenen Orten in Deutschland Unternehmen der Gesundheitswirtschaft beratend zu unterstützen – für Philipp Köppe ist das Alltag. Köppe ist Unternehmensberater im Bereich Gesundheitswirtschaft bei Rödl & Partner in Nürnberg  – und Geograph. Wie passt das zusammen? Philipp Köppe erklärt, dass er vor seinem Geographie-Studium in Erlangen eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht hat, sich dann aber neu orientieren wollte. Um sein Studium zu finanzieren, hat er auch weiterhin nebenbei im Rettungsdienst gearbeitet und gegen Ende des Bachelor-Studiums habe es dann ‚klick‘ gemacht: „Mein damaliger Professor hat mir geraten, dass ich mich auf Themen der Gesundheitsgeographie spezialisieren solle. Das sei zwar kein Mainstream, aber so könne ich mir ein klares Profil aufbauen.“ Gesagt – getan. Fortan orientiert sich Köppe an Gesundheitsthemen, ein studentisches Forschungsprojekt zur Gesundheitsversorgung im Ländlichen Raum ist da nur ein Beispiel. Die Abschlussarbeit über die optimale Stationierung von Rettungshubschraubern ein weiteres: „Das klingt natürlich erstmal sehr speziell, hat aber viele Parallelen zu Christallers Theorie der zentralen Orte.“

Der Berufseinstieg war dann kein großes Problem mehr: durch die mehrjährige Berufserfahrung fand Köppe schnell eine Anstellung und ehe er sich versah war er Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg, zunächst mit Personalverantwortung für 20, später als Regionalvorstand der Johanniter in Oberfranken dann für bis zu 200 Mitarbeiter.

Nach einer Initiativbewerbung ist er seit 2015 für Rödl & Partner tätig. Insbesondere seine Praxiserfahrung und sein klares Profil haben den Einstieg als Unternehmensberater bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft ermöglicht. Zu seinen Tätigkeiten zählen nun u.a. die Beratung von Pflegeeinrichtungen, Kliniken, Krankenkassen, Medizinischen Versorgungszentren oder Wohlfahrtsverbänden. Das Spektrum reicht von der Prozess- und Organisationsberatung bis hin zu Sanierungs- und Restrukturierungsberatung sowie Interimsmanagement. Natürlich ist das bisweilen sehr BWL-lastig, aber auch die Geographie kommt nicht zu kurz: „Gerade bei Fragen der medizinischen Infrastruktur und potentiellen Standortschließungen denken wir die Region natürlich immer mit.“

Wenn Köppe nach mehreren Tagen auf Achse abends wieder in seiner Nürnberger Wohnung ankommt, braucht er Sport, Familie und Freunde als Ausgleich zum fordernden Job – auch wenn sich diese Aktivitäten auf wenige Tage komprimieren. Für Köppe kein Problem: „Der Beruf des Unternehmensberaters macht mir große Freude – insbesondere die sehr abwechslungsreichen und unterschiedlichen Projekte. Dafür nimmt man gerne Reisen oder auch längere Arbeitszeiten in Kauf.“

Etwas familiärer geht es bei ‚Markt & Standort‘ in Erlangen zu, wo Dipl.-Geogr. Magdalena Blank als Projektleiterin tätig ist. Und der Unternehmensname ist Programm: Zu den Kernkompetenzen der Beratungsgesellschaft zählen Markt- und Standortanalysen – konkret: die Beratung von Shopping Centern, Einzelhändlern, Banken, aber auch Kommunen. Wenn es also um die Filialentwicklung oder SB-Konzepte einer Sparkasse geht, dann ist Markt & Standort in Person von Magdalena Blank zur Stelle. Kartographische Aufbereitungen mit geographischen Informationssystemen, aber auch die Datenerhebung direkt vor Ort gehören dabei zum Standardrepertoire. Hier spielen auch Kriterien wie Pendlerverflechtungen oder die Bevölkerungsentwicklung eine Rolle, die regionale Kaufkraft ist bei derartigen Fragestellungen quasi gesetzt. Und in diesem Kontext habe sie als Geographin natürlich Wettbewerbsvorteile gegenüber manchen Kollegen: „Den Betriebswirten fehlt häufig eine räumliche Perspektive, den Architekten bisweilen das Verständnis für ökonomische Zusammenhänge …“

Ihre Tätigkeit bei Markt & Standort in Erlangen ist nach dem Geographie-Studium in Würzburg ihre erste Arbeitsstelle: „Ich hatte damals nach kurzer Bewerbungszeit zwei Vorstellungsgespräche – und bei meinem jetzigen Arbeitgeber hat die Chemie von Anfang an gestimmt, deswegen fiel die Entscheidung leicht“, weiß Blank zu berichten. Das angenehme Arbeitsklima spiele nach wie vor eine wichtige Rolle: „Wir sind alle per Du, die Türen beim Chef sind immer offen und das erfahrene Team arbeitet perfekt zusammen, das spüren auch unsere Kunden.“

Schon während ihres Studiums hat sich Blank für die ‚geographische Handelsforschung‘ interessiert und einschlägige Seminare besucht. Im Bereich GIS habe allerdings die Grundlagenausbildung ausreichen müssen, dafür hat sie sich dann selbständig in die Software im Büro eingearbeitet und ist nun für den gesamten Geomarketingbereich zuständig. Diese Fähigkeit ist ihr auch bei den Praktikanten wichtig, die sie betreut: „Eigeninitiative und Engagement zahlen sich da natürlich aus – wir merken sofort, ob jemand Gas gibt oder nicht und fordern unsere Praktikanten dementsprechend. Das Arbeiten mit geographischen Informationssystemen kommt im Studium leider oft zu kurz, dabei kann man sich gerade über diese Spezifikation als Geograph von der Masse abheben.“

Auch Magdalena Blank ist viel unterwegs: „Wir sind in der glücklichen Situation, dass viele Kunden an uns herantreten.“ Trotzdem kann man sich natürlich nicht aussuchen, wo das nächste Projekt ist. Die Kunden sind deutschlandweit verstreut, aber auch die Anrainerstaaten wie Luxemburg oder Frankreich spielen für Markt und Standort eine Rolle. „Der Wechsel zwischen Büro und der Arbeit vor Ort macht für mich den Unterschied.“ Nach den straffen Außendiensttagen ist Blank froh wieder am Schreibtisch zu sein, aber sobald dort die Arbeit aufgearbeitet wurde, kann es auch wieder losgehen.

Für Philipp Köppe und Magdalena Blank ist die Unternehmensberatung derzeit ein absoluter Traumjob: arbeitsintensiv, aber abwechslungsreich. Tiefgehende Branchenkenntnis , gepaart mit einer gehörigen Portion Interdisziplinarität. Breit aufgestellt, mit einem klaren Profil. Das macht die Unternehmensberatung so spannend. Auch für Geographen? Gerade für Geographen!

Stimmen zum 8. Praxisforum Geographie: Unternehmensberatung

„Die beiden Forumsgäste gaben sehr detaillierte und auch interessante persönliche Einblicke in ihre Tätigkeit als Berater. Dabei war es spannend zu sehen, dass ihre Beratungstätigkeit so breit und vielfältig, in einem Fall sogar fast fachfremd, sein kann. Beide fühlen sich als Geographen in ihrem Job jedoch gut aufgehoben. Das macht wieder einmal Mut, dass man mit seinem eigenen spezifischen Profil als vermeintlicher ‚Quereinsteiger‘ viele Chancen hat. Man muss sich nur trauen und sich bewerben.“

Johanna Nitsch, MA-Studentin

„Beim 8. Praxisforum mit Schwerpunkt ‚Unternehmensberatung‘ fiel deutlich auf, dass die Geographie eine Fülle an Möglichkeiten bereithält und unsere Stärken auch in der Interdisziplinarität liegen. Das Geographiestudium bietet einem sozusagen das ‚Kochbesteck‘, kochen muss man jedoch selbst. Das heißt für uns Studenten: breit aufgestellt zu sein hilft uns sehr, um über den Tellerrand hinaus zu blicken und Sachverhalte zu verstehen. Jedoch ist eine Spezialisierung in einem Teilbereich (z.B. im Master-Studium) nicht verkehrt um seine Kernkompetenzen zu stärken und seine Berufschancen zu erhöhen.“

Felix Grocholl, BA-Student

Praxisforum Geographie

Das Praxisforum Geographie findet jedes Semester mit wechselnden thematischen Schwerpunkten am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Organisiert wird es vom DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg. Kooperationspartner sind die Alumniarbeit der Fränkischen Geographischen Gesellschaft und die Fachschaftsinitiative Geographie. Die Podiumsdiskussion mit berufstätigen Geographen dient der Berufsorientierung von Geographie-Studenten und gewährt dabei Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag.

Autor: Markus Neufeld

nach oben


 Praxisforum ‚Risikomanagement‘
25.01.2016, 18:30

Von Markus Neufeld

Von flächendeckenden Stromausfällen und schwimmenden Casinos

DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg

Was passiert eigentlich, wenn es in Deutschland einen flächendeckenden Stromausfall gibt? Wie modelliert man das Versicherungsrisiko von schwimmenden Casinos? Und was kann man tun, um in Bangladesch die Konsequenzen von Überschwemmungen für die Bevölkerung zu minimieren? Die Lösungen für diese Fragen halten – natürlich! – Geographen bereit und haben dies beim 7. Praxisforum Geographie des DVAG-Regionalforums Erlangen-Nürnberg zum Thema ‚Risikomanagement‘ eindrücklich untermauert.

Dipl.-Geogr. Christian Barthelt ist für die Münchener Rück Stiftung international unterwegs und verantwortet Projekte im Bereich der Katastrophenvorsorge und Resilienz. Wenn es also darum geht, ein Frühwarnsystem für Hochwasser in Bangladesch zu implementieren, dann ist Barthelt zur Stelle. Gerade im Kontext des Klimawandels und extremer Naturereignisse gebe es in Entwicklungsländern eine Menge zu tun. „Das gibt mir natürlich auch das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun“ erklärt Barthelt, der in München studiert hat und sich eigentlich zunächst in Richtung ‚Tourismus‘ orientieren wollte. Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 war die Jobsuche jedoch kein leichtes Unterfangen. Eine Vielzahl an Bewerbungen und ebenso viele Absagen spiegeln die damalige Berufseinstiegssituation vieler Absolventen wieder. Es sei „erarbeiteter Zufall“ gewesen, dass er schließlich bei der Münchener Rück Stiftung gelandet ist: „Ich habe während eines Praktikums Gas gegeben, hatte ein gutes Auftreten und bin in Erinnerung geblieben“ erinnert er sich. Das ‚window of opportunity‘ bot sich schließlich, als eine ehemalige Kollegin in Elternzeit ging, ein anderer wechselte die Stelle – und Barthelt nutzte die Chance, die sich ihm bot.

Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn ist Dr. Julia Mayer im Referat ‚Kritische Infrastrukturen‘ tätig. Sie konzipiert einen Notfallplan, wenn es in Deutschland zu einem flächendeckenden Stromausfall kommen sollte, d.h. falls mehrere Bundesländer für mehrere Wochen ohne Strom wären. Das sei, so Mayer, zwar recht unwahrscheinlich, aber eben nicht unrealistisch. Und da in so einem Fall eigentlich die jeweiligen Bundesländer zuständig wären, koordiniert Julia Mayer die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen in diesem Themenfeld. „Man muss sich vor Augen führen, dass ein solches Ereignis zu katastrophalen Zuständen in Deutschland führen würde!“ erklärt sie. Während des Studiums in Bonn und der anschließenden Promotion habe sie sich schon immer mit ‚Risiken‘ beschäftigt, auch wenn sie eigentlich einen „Theorie-Fimmel“ hatte: „Ich habe meine Nase viel lieber in Bücher gesteckt, mich leidenschaftlich mit der Luhmann’schen Systemtheorie beschäftigt“ berichtet sie. Dabei hat Mayer von Beginn an ein breites thematisches Netzwerk, sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Praxis, aufgebaut und gepflegt. Das wird beim Smalltalk nach der Diskussion deutlich: schnell finden sich gemeinsame Bekannte der drei Podiumsgäste an diesem Abend …

Für Julia Mayer war ebenfalls ein Praktikum bei ihrem jetzigen Arbeitgeber ausschlaggebend: „Damals durfte ich schon selbst eine Projektidee umsetzen …“. Und sie ist auch nicht die einzige

Geographin am Arbeitsplatz: „Geographen ziehen Geographen an!“ weiß sie zu berichten, allerdings reiche nur die Geographie allein nicht aus: „Bewerber brauchen bei uns ein klares Profil!“

Marius Henseli M.A. bezeichnet sich selbst als „ein bisschen Nerd“. Der müsse man vielleicht auch sein, wenn man mit den vielen Daten in der Risikomodellierung für die Versicherungswirtschaft jongliere. Henseli ist ‚Client Services Associate‘ im Münchener Büro von AIR Worldwide und berät Erst- und Rückversicherer bzgl. ihres Risikos bei Natur- und anderen Katastrophen. So kann er u.a. das Versicherungsrisiko eines schwimmenden Casinos modellieren – und natürlich viele weitere geokodierte, versicherte Risiken. „Die Versicherer sind auch nicht so dröge, wie es immer scheint!“ greift Henseli einem Vorurteil vor, im Gegenteil, die Arbeit sei abwechslungsreich, international und man entwickele sich ständig weiter. Das schwimmende Casino sei dafür ein gutes Beispiel: „Ich wusste nicht weiter, da habe ich einfach einen Kollegen in London angerufen.“ Auch Henseli hat zuvor ein Praktikum in der Branche gemacht und war dann, gepaart mit seinen GIS-Kenntnissen, einschlägig für seinen jetzigen Job qualifiziert.

Die knapp 100 Zuhörer an diesem Abend – Besucherrekord beim Praxisforum! – waren beeindruckt. Nicht nur bieten sich gute Anknüpfungspunkte für den Studienschwerpunkt Entwicklungsforschung, auch bei den GIS-affinen Studenten stößt ‚Risikomanagement‘ auf reges Interesse.

Im Anschluss an das inzwischen siebte Praxisforum Geographie nutzten viele Studenten die Gelegenheit die Podiumsgäste noch persönlich zu sprechen. Mit Waffeln und Glühwein hat die Fachschaftsinitiative Geographie dafür den passenden Rahmen geschaffen.

Stimmen zum 7. Praxisforum Geographie: Risikomanagement

„Beeindruckend war es zu hören, wie die Referenten an ihren Job gekommen sind und welchen Weg sie dabei gegangen sind. Das Praxisforum hat einmal mehr die vielen Möglichkeiten gezeigt, welche die Geographie für die spätere Berufswahl bietet.“

Carina Austermühl, BA-Studentin

„Risikomanagement stellt ein spannendes und sehr abwechslungsreiches Berufsfeld für Geographen dar, welches den meisten Studenten und Absolventen eher unbekannt ist. Interessant zu hören war vor allem wie forschungsgeleitet und praxisnah zugleich sich dieser Tätigkeitsbereich gestaltet.“

Sabrina Fest, MA-Studentin

Praxisforum Geographie

Das Praxisforum Geographie findet jedes Semester mit wechselnden thematischen Schwerpunkten am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Organisiert wird es vom DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Alumniarbeit der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. Die Podiumsdiskussion mit berufstätigen Geographen dient der Berufsorientierung von Geographie-Studenten und gewährt dabei Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag.

nach oben


 

Praxisforum ‚Big Spatial Data‘
Montag, 08.06.2015, 18:30 Uhr

Von Markus Neufeld

Glaubwürdige Schätzungen gehen davon aus, dass zu Beginn der 1990er Jahre nur 3% aller Informationen digital verfügbar waren – bis Ende der 2000er Jahre waren es bereits deutlich mehr als 90%. Ein großer und wachsender Anteil dieser Informationen sind georeferenziert, d. h. sie beziehen Sachinformationen auf eine räumliche Information. Nicht zuletzt durch die Verbreitung von Positionierungs- und Navigationssystemen sowie der mobilen Verfügbarkeit des Internets entstehen in den letzten Jahren zahlreiche neue Dienstleistungen, welche die wachsende Quantität und Qualität von Geodaten nutzen. Da ist es nur konsequent, dass sich das Praxisforum am geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg im Sommersemester 2015 dem Thema ‚Big Spatial Data‘ widmet – schließlich eröffnen sich hier auch zahlreiche neue Arbeitsfelder für Geographen.

Dipl.-Geogr. Markus Neufeld, Sprecher des Regionalforums Erlangen-Nürnberg, hatte erneut drei Geographen eingeladen, bei einer kurzweiligen Podiumsdiskussion über ihre Arbeit mit ‚big spatial data‘ zu berichten – und die Gäste hatten in der Tat viel zu erzählen …

Konstantin Böhm, Ende 40, Gründer und Geschäftsführer der Ancud IT-Beratung GmbH, hat tatsächlich vor Jahren einmal Geographie studiert – und das merkt man ihm auch heute noch an. Leidenschaftlich erzählt er davon, was heutzutage alles möglich ist und welche Wettbewerbsvorteile die Geographen mitbringen beim Umgang mit den ungeheuren Datenmengen: räumliches Denken, vernetztes Denken – und über den Tellerrand blickendes Denken. „Das können die Informatiker nicht so gut wie wir Geographen“, weiß Böhm, selbst Chef von mehr als 50 Mitarbeitern, zu berichten. Zur Zeit seines Studiums habe es gerade die ersten Rechner an der Universität gegeben, Satellitenbilder waren kaum erschwinglich. Heutzutage gibt es nicht nur eine bessere Hard- und Software, sondern auch besseren Zugang zu Daten – auch zu ‚Big Data‘. Das macht es spannend und eröffnet viele neue Möglichkeiten. Böhm ist gut vernetzt, hat gerade ein ‚Big Data Lab‘ ins Leben gerufen – und spontan Geschäftspartner aus Belgien mitgebracht, die ein Smart-City-Projekt aus Gent vorstellen: anhand von Tweets werden Verkehrsbehinderungen in der Stadt erfasst, ausgewertet und visualisiert. Das ist Big Spatial Data in Reinform.

Thomas Großmann, Product Specialist Location Analytics bei Esri Deutschland in Wiesbaden, weiß zu berichten, dass Big Data gerade sehr en vogue ist. Allerdings stecke die Entwicklung diesbezüglich bei Esri derzeit noch in den Kinderschuhen. „Wir richten uns natürlich nach der Nachfrage unserer Kunden – und die wächst derzeit.“ Großmann selbst hat schon lange ein Fable für große Datenmengen, hat nach seinem Geographie-Studium noch einen GIS-Master aufgesattelt und war schließlich bei einem Landesamt für Geodaten tätig. Der öffentliche Dienst in dieser Form sei aber auf Dauer nichts für ihn gewesen. „In der freien Wirtschaft merke ich, dass Dinge auch einfach mal verworfen werden, wenn man die Sackgassen abgelaufen ist. In der Verwaltung hingegen hält man oft krampfhaft an den etablierten Abläufen fest.“

Der dritte Podiumsgast, Dr. Hendrik Wagenseil von der GfK Geomarketing GmbH, bringt ein paar Karten aus einem aktuellen Projekt mit: Hier werden die Nutzer von Mobiltelefonen lokalisiert und anschließend auf einer Karte verortet. „Da muss man mit dem Datenschutz freilich aufpassen“ betont Wagenseil, „aber wenn die Nutzer einverstanden sind und die Daten anonymisiert werden, ist das in der Regel kein Problem.“ Bei einem Nutzer ist noch ein deutliches Bewegungsprofil erkennbar; dieses verschwindet, als die Daten ‚big‘ werden – gleichzeitig werden deutliche räumliche Muster sichtbar. Wagenseil ist Teamleiter Geostatistics und hat nach seiner Promotion in der physischen Geographie nahtlos den Einstieg ins Berufsleben geschafft. Im Bereich des Geomarketings verknüpft er nun Fragen von Big Spatial Data mit der klassischen Marktforschung. Statistik-Kenntnisse sind da zweifelsohne sehr gefragt: „Eine gute Ausbildung im Bereich der quantitativen Methoden ist bei uns zwingend – qualitative Marktforschung gibt es nicht …“

Hier sind sich die Referenten – übrigens alle drei ausgebildete physische Geographen – einig: Eine Affinität zu Zahlen und zur IT bzw. GIS sind von Vorteil, wenn man mit Big Spatial Data unterwegs ist. Und an dieser Stelle wird auch die Diskussion im Plenum lebhaft. Warum liegt in der Kulturgeographie der Schwerpunkt häufig so sehr auf den qualitativen Methoden? Ändert sich das (wieder)? Wäre nicht grundsätzlich eine breite und fundierte Methodenausbildung wichtig und richtig?

Big Spatial Data – nicht überall, wo Big Data draufsteht, ist auch Big Data drin. Aber die wachsenden Datenmengen und die häufige Verknüpfung räumlicher Information mit diesen Daten lassen Big Spatial Data zu einem spannenden Berufsfeld für Geographen werden. Und auch hier sind sich die Experten sicher: dieses Thema hat Zukunft!

Nach dem Praxisforum bot sich bei Gegrilltem und Getränken noch die Möglichkeit zum Kennenlernen der Referenten, wovon insbesondere die zahlreichen Studenten unter den ca. 75 Besuchern Gebrauch machten. Vielen Dank an die Fachschaftsinitiative Geographie für die Bewirtung!

Stimmen zum Praxisforum ‚Big Spatial Data‘

  • „Ich fand das Praxisforum wie immer sehr informativ ... es lohnt sich offensichtlich, wenn Geographen fundierte Kenntnisse in Statistik haben!“

Jana Regenfuß, Nürnberg

  • „Ich promoviere zum Thema "Web 2.0-Kartographie in Israel/Palästina." Dabei liegt ein Schwerpunkt meiner Forschungen auf der Analyse sehr großer Geodatenbanken. Das Praxisforum war für mich sehr motivierend, denn es wurde deutlich, wie gefragt diese Methoden auch außerhalb der Wissenschaft mittlerweile geworden sind.“

Christian Bittner, Erlangen

nach oben


 Praxisforum ‚Mobilität‘ – ein Abend unter Kollegen
Montag, 12. Januar 2015, 18.30 Uhr

Tagesaktuell sind die Diskussionen um eine schienengebundene Stadt-Umland-Bahn, die Nürnberg mit Erlangen und Herzogenaurach verbinden soll. Und erst im Januar erfolgte die studentische Abstimmung für die Einführung eines Semestertickets an der bi-lokalen Universität Erlangen-Nürnberg. Was liegt da näher, als ein Praxisforum ‚Mobilität‘ zu lancieren, das die Berufsfelder für Geographen im Bereich Verkehr und Mobilität skizziert? Der Erfolg gibt den Veranstaltern Recht: über 70 Studenten und Berufstätige folgten der Einladung ans geographische Institut – Besucherrekord!

alt

„Liebe Kolleginnen und Kollegen“ – mit diesen Worten begrüßte einer der Podiumsgäste die Anwesenden des Praxisforums. Und schnell wurde klar, dass die gefühlte Distanz zwischen den drei Berufstätigen auf dem Podium und den vor allem studentischen Zuhörern im Plenum gar nicht so groß ist, eint sie doch die gleiche Ausbildung und die Leidenschaft für die Geographie.

‚Kollege‘ Nr. 1, Dipl-Geogr. Dirk Domhardt, ist das, was man wohl als ‚senior‘ bezeichnen würde: Abteilungsleiter, Anfang 50, seit Jahren in der Nahverkehrsplanung tätig – aktuell beim regionalen Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Alleine beim VGN sind derzeit mehr als zehn Geographen beschäftigt. Domhardt, der seine Ausbildung an der Universität Gießen genoss, legt Wert auf die Feststellung, dass, wer im Bereich Mobilität arbeiten möchte, auch selbst mobil sein müsse. Auch wenn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Geographen derzeit vielleicht so gut seien wie nie zuvor.

alt

‚Kollegin‘ Nr. 2, Bachelor of Science Carolin Heuberger, ist quasi das Gegenteil von Domhardt: ‚junior‘, weiblich – und mit vergleichsweise wenig Berufserfahrung. „Das gehört zum Konzept“, erklärt Simon Reichenwallner, Sprecher des Regionalforums Erlangen-Nürnberg und Moderator des Abends. „Wir bemühen uns immer, eine bunte Mischung an Referenten für das Praxisforum zu gewinnen – das ist uns dieses Mal wieder gelungen.“

alt

Heuberger ist bei PB Consult in Nürnberg für Qualitätsbewertungen, Kundenbefragungen und Dialogmarketing im Bereich Nahverkehr zuständig. Dabei kommt ihr insbesondere eine solide Methodik-Ausbildung im mit sechs Semestern vergleichsweise kurzen Bachelor-Studium zu Gute. Diese ‚hard skills‘ seien für sie jetzt von Vorteil, auch wenn die Statistik-Seminare im Studium mehr Pflicht als Kür waren. Die Arbeit mit Excel, SPSS und GIS ist für sie inzwischen Routine. Aktuell verortet sie bestimmte Kundengruppen im Stadtgebiet von Nürnberg. „Die Karten, die dabei entstehen, zeigen die Strukturen auf einen Blick. Das können nur Geographen!“ so Heuberger. Ihr Bachelor-Abschluss war im Übrigen nicht hinderlich für den Berufseinstieg, auch wenn ihre Kollegen auf dem Podium bisweilen (mehr als) doppelt so lange studiert hätten. Und außerdem höre man ja nach dem Studium nicht auf zu lernen. Über ein Praktikum sei sie schließlich bei ihrer jetzigen Arbeitsstelle gelandet – und glücklich: „Wir sind ein junges Team mit etlichen Geographen. Das macht richtig Spaß!“

‚Kollege‘ Nr. 3 auf dem Podium ist – wie Domhardt – ein ‚alter Hase‘: Dipl.-Geogr. Ulrich Schaller ist als Leiter des Referats ‚Verkehr und Logistik‘ für die IHK Nürnberg für Mittelfranken tätig. Der Berufsalltag besteht für Schaller häufig aus politischen Abstimmungsprozessen mit Verwaltungen, Unternehmen und Institutionen. Dabei kommen ihm als Geograph natürlich der Weitblick und ein gewisses Politikverständnis zu Gute. „Ich denke eben nicht nur an die Themen Verkehr und Logistik und die Bedürfnisse der Unternehmen, sondern weiß die Geschehnisse auch in einen größeren Kontext einzuordnen.“ weiß Schaller zu berichten. Um erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt anzukommen, ist aus seiner Sicht insbesondere eine strategische Orientierung im Studium und bei der anschließenden Berufswahl wichtig. „Wer eine klare Vorstellung davon hat, wo er oder sie hin will, der ist auch erfolgreich.“ Begeisterungsfähigkeit und Spaß an der Sache gehören ebenso dazu. Im Berufsleben selbst könne man sich dann sein eigenes kleines Reich bauen, indem man sich intuitiv Themen sucht und diese dann politisch platziert.

Das inzwischen vierte Praxisforum des DVAG-Regionalforums Erlangen-Nürnberg gewährte zum wiederholten Mal spannende Einblicke in die Berufswelt und die Karriereplanung. Bei Bier und Brezen klang das Praxisforum ‚Mobilität‘ schließlich aus – und zahlreiche Kollegen nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken. (Markus Neufeld)

Stimmen zum Praxisforum ‚Mobilität‘

  • "… gerade das Thema Mobilität war aufschlussreich, da sich hier einige interessante und abwechslungsreiche Berufsfelder für Geographen finden, die man als Erlanger Absolvent nicht unbedingt auf dem Schirm hat."

David Hofmann, Neumarkt

  • „… mir bringt es am meisten, direkt von Berufstätigen zu hören, wie ihr Karriereweg konkret abgelaufen ist und ihre Erfahrungen beim Bewerbungsablauf zu hören, als nur ‚bewirb dich doch einfach, bei dem was dich interessiert, aber sei flexibel, dann wird sich schon was ergeben‘.“

Carolin Volland, Bammersdorf

nach oben


 “Herzo-what?” Global Players in Franken - Exkursion des DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg

Freitag, 19. September 2014, Herzogenaurach

Herzogenaurach. 23.000 Einwohner, romantisch anmutendes Fachwerk in der Altstadt. Fränkische Provinz? Zugegeben, die Sekretärin des Bürgermeisters war schon etwas pikiert, als das Wort „Provinz“ fiel – „Metropolregion“ gefiel ihr deutlich besser. Doch was ist das Besondere an dieser Stadt, die zwar nicht weit entfernt von Erlangen und Nürnberg, zugleich aber zwischen Spargelfeldern und Karpfenteichen liegt?

Mit Schaeffler, Puma und Adidas haben gleich drei Global Players ihre Konzernzentralen in Herzogenaurach. Weltkonzerne in der fränkischen Provinz. Was aber sind die Gründe für die Standortwahl dieser Unternehmen? Was macht den Standort Herzogenaurach so attraktiv? Der Einladung zur Exkursion des DVAG-Regionalforums Erlangen-Nürnberg waren rund 20 Geographinnen und Geographen gefolgt, dem Geheimnis der Global Players auf den Grund zu gehen und die Gegensätze von ‚fränkischer Provinz‘ und ‚Metropolregion‘ zu verstehen – oder gar aufzulösen …

alt alt

Standort 1: Rathaus, Sitzungssaal

Ein original 60er-Jahre Sitzungssaal im Herzogenauracher Rathaus mit Teppich und Holzvertäfelung. Empfang durch den Bürgermeister. Nicht ohne Stolz berichtet Dr. German Hacker von der Leistungsfähigkeit seiner Kommune: 20.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei 23.000 Einwohnern. Die Finanzen stimmten, bald werde ein neues Rathaus gebaut, aber natürlich gebe es auch Probleme: „Unsere Verkehrsinfrastruktur ist einfach nicht für die hohe Zahl an Einpendlern ausgelegt – hier brauchen wir dringend Entlastung.“ Natürlich sei man glücklich über die drei Weltkonzerne und der Kontakt sei gut.

Tatsächlich haben Adidas und Puma – einst von den Brüdern Adolf und Rudolf Dassler gegründet und aus der örtlichen Schuhindustrie hervorgegangen – in den 1990er Jahren eine strategische Entscheidung für Herzogenaurach getroffen. Tradition wird offenbar auch in der Sportartikelbranche großgeschrieben.

alt alt

Standort 2: Schaeffler, Raum Paris

Ausweiskontrolle an der Ostpforte. Leere, breite Flure und glänzende Fußböden. Der Vice President Corporate Industrial Engineering hat sich Zeit für uns genommen. Andreas Willaczek verantwortet die weltweite Standortplanung der Schaeffler AG – bei über 11 Mrd. Euro Umsatz (2013), mehr als 80.000 Mitarbeitern und über 170 Standorten in knapp 50 Ländern. Es sei das erste Mal, dass Geographen bei Schaeffler zu Gast seien und sich für die Standortfaktoren interessieren. Wir erfahren, dass natürlich die Nähe zu Erlangen und Nürnberg wichtig sei: der Flughafen in Nürnberg, aber auch das urbane Setting der beiden Großstädte. Die Liste der Standortfaktoren ist lang und aus der Perspektive eines Großkonzerns spannend. Fazit: in der Region lässt es sich sehr gut leben. Ein starkes Argument für neue Mitarbeiter, deren Rekrutierung in Zeiten des demographischen Wandels aber eine Herausforderung sind.

Eine Werksführung rundet unseren Besuch bei Schaeffler ab. Zwei ehemalige Mitarbeiter („Heuer bin ich 52 Jahre bei Schaeffler …“) führen uns durch einen Teil der Produktion. Herzogenaurach als Produktionsstandort für Wälzlager wird so ganz konkret – und ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich sowieso immer.

alt alt alt

Standort 3: Herzo Base

Konversionsgelände, ehemaliges Kasernenareal der US-Armee. Neuer Stadtteil – und: Adidas-Headquarter. Star-Architektur für die Bürogebäude von Adidas, die nächsten Projekte sind bereits entworfen für die mehr als 4.000 Mitarbeiter. Ein spektakulärer Exkursionsstandort: in der Ferne sieht man den Fernmeldeturm in Nürnberg, den Schornstein des Erlanger Kraftwerks und den Albanstieg zur Fränkischen Schweiz. Einen Steinwurf weit weg ist das Factory-Outlet von Adidas, hinter uns das Headquarter und vor uns: ein Schäfer mit einer Schafherde (s. Foto). Hier wird der Gegensatz zwischen ‚Provinz‘ und ‚Metropolregion‘ noch einmal richtig deutlich. Mitten in der Metropolregion. Mitten in der Provinz.

Es ist eine Symbiose zwischen den Weltkonzernen hier in Herzogenaurach und dem metropolitanen Verdichtungsraum um Nürnberg. Die Europäische Metropolregion Nürnberg als Institution braucht diese drei Global Player – wirtschaftlich, aber auch als politisches Argument für die Metropolfunktion des Raumes. Und genauso braucht Herzogenaurach die Nähe der Großstädte – als Wohnort für die Mitarbeiter, aber auch mit der Vielzahl ‚weicher‘ Standortfaktoren, die Herzogenaurach alleine nicht bieten kann. Und eine Lösung für das tägliche Verkehrschaos ist auch in Sicht: die Stadt-Umland-Bahn, eine Straßenbahn, die u.a. Nürnberg mit Erlangen und Herzogenaurach verbindet, soll schon bald für Entlastung sorgen. Nicht nur der Bürgermeister wird sich darüber freuen.

nach oben


Montag, 02. Juni 2014, Praxisforum ‚Energie‘ an der Universität Erlangen-Nürnberg

Von Erneuerbaren Energien und Schweizer Taschenmessern

Die Energiewende wird von einigen als historische Pionierleistung bezeichnet, von anderen als riskantes Abenteuer einer Industrienation. Unabhängig davon: Während die Rahmenbedingungen auf der politischen Ebene abgesteckt werden, hält der Umstieg auf eine regenerative Energieversorgung eine Vielzahl an potentiellen Tätigkeitsfeldern für Geographen bereit. Und diese Potentiale liegen keineswegs nur im (semi-)öffentlichen Bereich. Rund 50 Studierende und Berufstätige waren der Einladung zum jüngst am Geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführten Praxisforum ‚Energie‘ gefolgt. Drei Professionals gewährten dabei einen Blick hinter die Kulissen ihres Arbeitsalltags und berichteten über Karriere und aktuelle Tätigkeiten im Kontext der Energiewende.

Dipl.-Geogr. Frank Hoffmann, Projektmanager bei der EVF – Energievision Franken GmbH, berichtete aus seinem Alltag in einem Planungsbüro. Dort initiiert und plant er schwerpunktmäßig örtliche Nahwärmenetze – häufig in Kooperation mit kommunalen Akteuren. Durch vorherige berufliche Stationen im Regional- bzw. Tourismusmanagement ist er mit den kommunalen (Verwaltungs-)Strukturen bestens vertraut: „Ich spreche deren Sprache, das ist wichtig! Das technische Knowhow habe ich mir dann zusätzlich angeeignet.“ Als Geograph sei er gewissermaßen wie ein Schweizer Taschenmesser: man kann alles – und im Zweifelsfall zieht man einen Experten zu Rate.

Technisch, und bisweilen agrargeographisch, geht es bei Dipl.-Geogr. Melanie Arndt zu. Bei C.A.R.M.E.N. e. V., der Koordinierungsstelle für nachwachsende Rohstoffe in Bayern, berät sie Landwirte und auch Kommunen: „Da ist die Bodenkunde während des Studiums keine schlechte Grundlage, damit man mitreden kann.“ Ihre Diplomarbeit hat Arndt über Biogasanlagen geschrieben; ausschlaggebend für den beruflichen Einstieg war jedoch ein Praktikum bei ihrem jetzigen Arbeitgeber: „Während des Praktikums habe ich Gas gegeben und dafür gesorgt, dass ich in Erinnerung bleibe. Und irgendwann hat mich dann mein jetziger Chef angerufen und mir eine Stelle angeboten – ganz ohne Bewerbungsverfahren.“ Das sei, so Arndt, ein echter Traumjob: „Weil die Energiewende so wichtig ist und wir etwas Sinnvolles tun! Bei einem Atomkonzern könnte ich es mir nicht vorstellen zu arbeiten!“

Lena Kaplan, M.A., selbst Absolventin der Erlanger geographischen Instituts, ist zwar nicht in einem Atomkonzern tätig, aber mit 2.500 Mitarbeitern ist die Stadt Erlangen ebenso kein kleiner Arbeitgeber. Sie ist kommunale Klimaschutz- und Energiebeauftragte und profitiert noch viel von ihrem Studium der Geographie: „Wir mussten so oft präsentieren, das kommt mir jetzt zu Gute. Erst gestern hatten wir wieder einen Pressetermin …“ Und da ihre Stelle neu eingerichtet wurde, hat sie nahezu alle Freiheiten. „Ich kann mir mehr oder weniger aussuchen, wo ich meine Schwerpunkte setzen will und wie ich meine Stelle mit Leben füllen möchte – diese Freiheit, allen eher starren Verwaltungsstrukturen zum Trotz, genieße ich sehr.“

Deutlich wurde an diesem kurzweiligen Abend aber auch, dass die Tätigkeit der drei Geographen auf dem Podium stark politisch beeinflusst ist. Insbesondere Frank Hoffmann weiß ein Lied davon zu singen: „Da ist ein Projekt fast fertig konzipiert, und dann kommt ein Herr Seehofer mit einer neuen Abstandsregelung für Windkraftanlagen.“ Nichts desto trotz sei es bisher immer gelungen, in neue Nischen vorzustoßen. Ähnlich sei dies mit der Einspeisevergütung für Biogasanlagen, kann Melanie Arndt berichten. Da müsse man eine Wirtschaftlichkeitsberechnung auch schon mal ‚über den Haufen werfen‘.

Einig waren sich die Experten, dass das Themenfeld Energie sehr abwechslungsreich ist; eine gesunde Mischung aus Bürojob und Tätigkeit ‚im Feld‘. Dass dabei die explizit geographischen Themen nicht außen vor bleiben, ist umso schöner.

Stimmen zum Praxisforum ‚Energie‘

„Die Teilnahme am ‚Praxisforum Energie‘ war für mich sehr lohnend, da ich sowohl praxisnahe Eindrücke über mein favorisiertes Berufsfeld nach dem Masterabschluss an der Universität Bayreuth bekommen habe, als auch neue Kontakte knüpfen konnte. Zudem war es spannend Impressionen von der Geographie an der Universität Erlangen-Nürnberg zu bekommen, insbesondere in Bezug auf die enge Verbindung zwischen dem Institut und seinen Absolventen.“

Patrick Dichtler, Bayreuth

„Das Praxisforum ist für mich als Masterstudentin besonders interessant, da es einen guten Einblick in die möglichen Arbeitsfelder eines Geographen gibt. Die persönlichen Erfahrungen beim Berufseinstieg der Referenten und Informationen darüber, welche Skills uns Geographen im Beruf besonders auszeichnen, haben mir weitergeholfen. Dank der Einblicke in die unterschiedlichen Berufsmöglichkeiten und Aufgabenfelder im Energiebereich kann ich mir durchaus vorstellen später in diesem Bereich zu arbeiten.“

Judith Jaksch, Erlangen

"Obwohl das Thema Energie kein Schwerpunkt in meinem Geographiestudium war, stellte sich die Entscheidung am Praxisforum teilzunehmen als richtig heraus. Auch die Referenten haben sich ihr Wissen zum Thema Energie teilweise in Projekten und teilweise erst im Rahmen ihres Jobs angeeignet. Insbesondere die oft gelobte – bei der Arbeitssuche aber auch schwierige – Allrounder- und Querdenkerqualität von Geographen erweist sich als Vorteil […]. Interessant war zudem, dass die Wege der drei Referenten ins Berufsleben ganz unterschiedlich waren. Einschlägige Praktika oder Hiwi-Jobs, eine passende Abschlussarbeit oder etwas Glück sind aber wichtig. Auch die Tipps zum Bewerbungsgespräch und der Einblick in den Arbeitsalltag waren dank der Offenheit der Referenten sehr hilfreich. Besonders vom Praxisforum können meiner Meinung nach Studenten profitieren, die noch Zeit haben, die gegebenen Hinweise auch umzusetzen."

Carina H., Nürnberg

Infobox: Praxisforum ‚Geographie‘

Das Praxisforum findet jedes Semester mit wechselnden thematischen Schwerpunkten am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Organisiert wird es vom DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Alumniarbeit der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, mit freundlicher Unterstützung von Alumnimanagement und Career Service der FAU. Die Podiumsdiskussion mit berufstätigen Geographen dient der Berufsorientierung von Geographie-Studenten und gewährt dabei Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag.

nach oben


Montag, 03. Februar 2014

 Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
Praxisforum ‚Netzwerkmanagement‘ an der Universität Erlangen-Nürnberg

Rund 60 Studierende und Berufstätige waren der Einladung zum jüngst am Geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführten Praxisforum ‚Netzwerkmanagement‘ gefolgt. Drei Professionals gewährten dabei einen Blick hinter die Kulissen ihres Arbeitsalltags und berichteten über Karriere und aktuelle Tätigkeiten. Sichtbar wurden drei unterschiedliche Biographien von Geographen, für die es immer wieder darauf ankommt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Vernetzt zu denken wird gerne als eine der Kernkompetenzen von Geographen bezeichnet. Vernetztes und vernetzendes Handeln spielt dabei auch im Berufsleben eine zunehmend wichtige Rolle. Stellen werden inzwischen explizit als „Netzwerkmanagement“ ausgeschrieben – und von Geographen besetzt. Das DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg hat daher drei Netzwerkmanager Region eingeladen über Beruf und Karriere zu diskutieren. Dipl.-Geogr. Frank Hoppe von der Bayern-Innovativ GmbH ist Projektleiter eines Logistik-Netzwerkes und konzipiert unter anderem thematische Austauschplattformen für Wirtschaft und Wissenschaft. Eine seiner Hauptaufgaben ist es, Akteuren die Möglichkeit zur Vernetzung zu bieten, z.B. in Form von Messeständen oder Unternehmensbesuchen. Seine (tourismus-)geographische Ausbildung kommt ihm dabei – obwohl auf den ersten Blick fachfremd –zu Gute, weil Logistik auch eine interdisziplinäre Herausforderung der räumlichen Entwicklung darstellt.

Susanne Schwab, selbst Absolventin der Erlanger Geographie, ist im Leader-Kooperationsprojekt ‚Netzwerk Steigerwald‘ tätig und wirbt gemeinsam mit lokalen Akteuren für eine Stärkung und Profilierung der regionalen Identität im Steigerwald. Der geographische und regionale Bezug gefällt ihr dabei besonders, auch wenn es nicht immer trivial ist, verschiedene Interessensgruppen ‚unter einen Hut‘ zu bringen: „Dadurch, dass der Steigerwald landschaftlich wie kulturell so vielseitig ist – von Weinbergen und Karpfenteichen bis hin zu alten Buchenwäldern – ist auch die Interessenslage der Lokalpolitik und Bevölkerung keineswegs immer einheitlich.“

Simon Reichenwallner konnte als jüngster im Bunde – sein Abschluss liegt gerade ein halbes Jahr zurück – über den Berufseinstieg berichten. „Anfangs habe ich mich bei der Jobsuche ziemlich auf den Fachbereich Tourismus versteift“, so Reichenwallner, „aber dann habe ich gemerkt, dass es unumgänglich ist, auch offen für anderes zu sein – und so schließlich meinen Einstieg im Netzwerkmanagement der KompetenzinitiativeENERGIEregion Nürnberg e. V. gefunden“. Dass er durch das Geographiestudium dabei weniger technisches Know-How hat, sei dabei kein Nachteil – im Gegenteil: „Von außen, mit geographischer Perspektive kann ich auch inhaltlich wertvolle Beiträge leisten, wo andere vielleicht schon ‚betriebsblind‘ sind.“ Und letztlich käme es beim Berufseinstieg auch manchmal darauf an, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein.

‚Nur‘ zur richtigen Zeit am richtigen Ort? – einig waren sich die Podiumsgäste an diesem Abend, dass Karrierewege nicht immer geradlinig verlaufen, dass befristete Stellen häufig ein notwendiger Einstieg sind und dass sich „Türen öffnen, wo andere zugehen“ (Schwab). Und jetzt, im Netzwerkmanagement, ist es natürlich auch wieder wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein: nämlich dort, wo auch die entsprechende Zielgruppe unterwegs ist: bei Messen, Bürgerinitiativen oder Fachworkshops.

Prof. Tobias Chilla, Gastgeber am geographischen Institut, betonte, dass die Chancen für Absolventen aus seiner Erfahrung in der jüngsten Zeit sehr positiv seien. „Da haben wir schon ganz andere Zeiten erlebt! Wer heute zielstrebig und zugleich ohne Scheuklappen auf dem geographischen Arbeitsmarkt unterwegs ist, der hat auch gute Möglichkeiten auf einen raschen Berufseinstieg“

Nach dem Praxisforum ‚Netzwerkmanagement‘ war der Name schließlich Programm: bei Bier und Brezen blieb genügend Zeit zur Vernetzung zwischen den Diskutanten und Studenten, ein Angebot, das fleißig genutzt wurde. So blickt Dipl.-Geogr. Markus Neufeld, Sprecher des Regionalforums und Moderator des Abends, zufrieden zurück auf das inzwischen dritte Praxisforum und ein bewährtes Format: „Die Zahl der Zuhörer zeigt uns, dass wir mit dem Praxisforum auf dem richtigen Weg sind und der Bedarf zur Berufsorientierung und Vernetzung besteht. Da machen wir weiter!“

alt alt

Fotos: Tobias Chilla

Stimmen zum Praxisforum ‚Netzwerkmanagement‘

„Das Praxisforum […] bot mir die Gelegenheit über eine Jobrichtung nachzudenken, an die ich nach meinem bisherigen Studienverlauf so bestimmt nicht gedacht […] hätte. Und das, obwohl uns als Geographen die interdisziplinäre, vernetzende Denkweise ja eigentlich auszeichnet. […] Dabei hat mir die Veranstaltung ganz persönlich gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns als Geographen wieder mehr unserer Stärken bewusst werden und diese gerade bei Bewerbungen stärker betonen und als Mehrwert unserer Ausbildung verkaufen, der uns auch von Absolventen anderer Fächer abhebt.[…] Sehr positiv fand ich auch die Auswahl der Experten (unterschiedliches Tätigkeitsfeld, Berufserfahrung).“

Tobias Weidinger, Erlangen

„Ich fand das Praxisforum ‚Netzwerkmanagement‘ sehr interessant, da es durch die Auswahl der Referenten deutlich gezeigt hat, wie vielfältig die Beschäftigungsmöglichkeiten für Geographen sind. Spannend war es außerdem zu erfahren, welche Aufgaben im Berufsalltag der jeweiligen Netzwerkmanager anfallen und warum gerade das Geographie-Studium dafür eine gute Voraussetzung bildet.“

Rike Strohmeyer, München

Gut gefallen haben mir der blockweise Aufbau der Fragen, die aus den verschiedenen Blickwinkeln praxisnah beantwortet wurden und auch immer Nachfragen der Zuhörer zuließen sowie die lockere Runde im Anschluss. Mut gemacht hat mir, dass sich […] allen drei Rednern gute Chancen eröffnet haben und sich daraufhin auch immer weitere Möglichkeiten erschlossen haben.

Andreas Kirsch, Untertrubach

nach oben


Freitag, den 11. Oktober 2013

Im Westen geht die Sonne auf?
Strukturwandel und Kreativwirtschaft ‚Auf AEG‘.

Exkursion des DVAG-Regionalforums Erlangen-Nürnberg

Von Sonnenschein kann nicht die Rede gewesen sein, als sich rund ein Dutzend angewandter Geographen einfanden um dem Strukturwandel und der Kreativwirtschaft ‚Auf AEG‘ auf den Grund zu gehen. Doch Regenwetter stellt für echte Geographen ja bekanntlich kein Hindernis dar …

alt alt

alt alt

Die Lage des rund 16 Hektar großen, ehemaligen AEG-Geländes ist durchaus geschichtsträchtig: in unmittelbarer Nähe verkehrte einst die erste Eisenbahn Deutschlands zwischen Nürnberg und Fürth. Industrielle Produktion fand an dieser Stelle seit Beginn des 20. Jahrhunderts statt, bevor in den 1920er Jahre die Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft (AEG) durch eine Fusion nach Nürnberg kam –Teile der heute noch vorhandenen Bebauung stammen noch aus dieser Zeit. Bis 2007 wurden ‚Auf AEG‘ Hausgeräte produziert, die letzte Waschmaschine lief im März 2007 vom Band. In der Folge wurde die Produktion nach Polen verlagert und über 1.700 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.

Die MiB AG, die bereits die ehemalige Leipziger Baumwollspinnerei entwickelte, kaufte das Gelände und strebte in Nürnbergs Westen ein „breites Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten“ an. In der Tat lässt sich eine wahre Vielfalt ‚Auf AEG‘ entdecken: von Siemens und Electrolux über eine Autowerkstatt für amerikanische Limousinen bis hin zur kleinen Kaffeerösterei ist alles dabei. Und eine besondere Rolle spielt dabei die Kreativwirtschaft. Jede Menge Künstler und kreative Unternehmer fanden ‚Auf AEG‘ eine neue Bleibe, auch wenn diese nicht in jedem Fall von Dauer ist: „Alles ist Zwischennutzung!“ heißt es da mit einem Augenzwinkern von Bertram Schultze, Geschäftsführer ‚Auf AEG‘. Dennoch hat die kreative Szene ihren festen Platz: neben Ateliers und Werkstätten werden (noch) leere Produktionshallen als Galerie genutzt und mit Kunst bespielt – und positiv angenommen. Die eher geringen Einnahmen aus diesem Bereich sind sicher nicht Hauptmotivation für diese Dimension der Projektentwicklung: „Eine halbe Seite Bericht über Kunst und Kultur ‚Auf AEG‘ in der Süddeutschen Zeitung ist mehr wert als eine Anzeige. Nur auf die Zahlen kann man dabei nicht schauen, das macht man im wahren Leben schließlich auch nicht“, so Schultze weiter. Man merkt, dass der Projektentwickler selbst leidenschaftlich bei der Sache ist.

Eine Leidenschaft für Kunst ist auch in der ‚Zentrifuge‘ zu finden. Als „ästhetisches Labor“, das „neue Sicht- und Denkweisen“ erzeugt, ist sie inzwischen als kultureller Treffpunkt weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannt. Mit Ausstellungen und diversen Veranstaltungen ist sie ein fester Bestandteil ‚Auf AEG‘ und von Beginn an dabei. Roland Zehmeister von der Zentrifuge berichtet, dass es hier tatsächlich zum viel beschworenen kreativen Austausch (nach Richard Florida) zwischen Künstlern und z.B. Ingenieuren kommt – jedoch nicht von selbst: die Kommunikation muss moderiert werden und ergebnisoffen gestaltet sein. Nur so kann es tatsächlich zu Synergieeffekten kommen. Und dann macht es auch Sinn, dass Siemens und die Kunst sich ‚Auf AEG‘ so nahe sind.

Die Sonne hat es an diesem Tag nicht geschafft, die Wolken zu verdrängen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass hier etwas Neues entsteht – dass ‚Auf AEG‘ die Wolken der Deindustrialisierung von einem bunten Nutzungsmix – auch der Kunst und Kultur – beiseitegeschoben werden. Das industrielle Erbe ist nach wie vor deutlich erkennbar, aber hier, im Westen Nürnbergs, könnte man meinen, geht tatsächlich die Sonne auf.

nach oben


29. April 2013

DVAG-Praxisforum ‚GIS‘ an der Universität Erlangen-Nürnberg

Traumjob GIS? Die Mischung macht’s!

Rund 40 Studierende waren der Einladung zum jüngst am geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführten Praxisforum ‚GIS‘ gefolgt. Drei Professionals gewährten dabei einen Blick hinter die Kulissen ihres Arbeitsalltags und plauderten über Karriere und aktuelle Tätigkeiten. Sichtbar wurden drei völlig unterschiedliche Biographien, die jedoch eine Tatsache eint: der Traumjob ‚GIS‘ – „weil die Mischung aus Bürojob und Arbeit ‚im Feld‘ stimmt!“

alt

Markus Neufeld, Sprecher des Regionalforums, im Gespräch mit Jan von der Heide und Stefan Brunner (von links; Foto: Kristina Roth)

Der GIS-Bereich ist seit geraumer Zeit ein interessantes Arbeitsfeld für Geographie-Absolventen, und als Einstiegsqualifikation ist dieser Bereich besonders geeignet. Da lag es nahe, ein Praxisforum ‚GIS‘ anzubieten, und unterschiedliche Geographen, die beruflich mit geographischen Informationssystemen zu haben, zu Wort kommen zu lassen. Die Tätigkeitsfelder der drei Podiumsgäste sind in der Tat sehr unterschiedlich: Dipl.-Geogr. André Lang arbeitet als Head of Planning für einen regionalen Telekommunikationsdienstleister und plant, projektiert und dokumentiert den Ausbau eines Glasfasernetzes. Stefan Brunner, B. Sc., ist in der Fernerkundung tätig und befasst sich dabei u.a. mit der hochaufgelösten Kartierung von Waldflächen in Mittel- und Osteuropa sowie Biomass Mapping-Projekten in Afrika. Und schließlich berät Jan Martin von der Heide, MA, Kommunen und Einzelhandelsunternehmen und erstellt in diesem Kontext u.a. Einzugsgebietskarten für Einzelhandelsnutzungen sowie Analysen zur Nahversorgung.

Schnell wurde deutlich, dass die Arbeit mit geographischen Informationssystemen sehr vielseitig ist und zahlreiche Anwendungen findet.

Der Sprecher des Regionalforums Erlangen-Nürnberg, Dipl.-Geogr. Markus Neufeld, stellte als Moderator der Diskussion auch gezielt Fragen zur Berufsfindung und Karriereplanung. Drei Ergebnisse haben sich dabei herauskristallisiert: erstens sei es wichtig, sich als Geograph nicht nur Softskills anzueignen, sondern auch gezielt mit Hardskills punkten zu können, so André Lang. „Das können neben der Beherrschung von GIS auch Projektmanagement, Fragebogenerstellung oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse sein!“ „Eine einschlägige Abschlussarbeit ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, seine Kompetenzen unter Beweis zu stellen.“ ergänzte Jan von der Heide. „Und manchmal kommt dann noch ‚Vitamin B‘ dazu …“ Erfreulich aus Sicht der Bachelor-Studenten war schließlich auch, dass Stefan Brunner als Geograph mit Bachelor-Abschluss keineswegs auf der Straße steht: „Auch im Job macht sich das nicht bemerkbar – ich wurde für ein konkretes Projekt aufgrund meiner Fähigkeiten eingestellt, da war der Abschluss zweitrangig.“ Im Hinblick auf die Verdienstmöglichkeiten waren die Referenten übereinstimmend positiv gestimmt: Ohne über konkrete Saläre zu debattieren wurde dieser Bereich doch als tragfähiger Broterwerb eingeschätzt.

‚Die Mischung macht’s‘ – so könnte ein Fazit dieses kurzweiligen Abends lauten. Die Mischung aus Arbeit am PC und ‚im Feld‘ ist für alle drei Gäste das ausschlaggebende Kriterium für den ‚Traumjob GIS‘ und sicher ein Grund für die Attraktivität der Arbeit mit GIS.

Stimmen zum DVAG-Praxisforum ‚GIS‘

„Es wurde deutlich, wie wichtig der geübte Umgang mit GIS und Fernerkundung ist! Oft schiebt man dieses Thema ja aus Unkenntnis oder Frust im Umgang mit ArcGIS in die hinterste Schublade. […] Mir hat sehr gut gefallen, dass nicht nur über den Beruf an sich, sondern auch über den Werdegang gesprochen wurde! So konnte man sich doch den einen oder anderen Tipp mal merken.

Anna Franke, Erlangen

„Allgemein sehe ich die Veranstaltung als absolute Bereicherung, bitte gerne mehr davon.
Ich fand ansonsten gut, dass jeder viel erzählt hat was er macht, aber es keine Firmenpräsentation war. Ich fand auch gut, dass eigentlich jeder was anderes macht ...“

Christoph Götz, Erlangen

„Für mich hat's sich gelohnt extra aus Bamberg ‚anzureisen‘. […] Mich hat sehr zuversichtlich gestimmt, dass alle drei beteuert haben, dass einer der Hauptvorteile ihrer Tätigkeit sei, nicht nur am PC zu sitzen, sondern auch bei Ortsbegehungen dabei zu sein. Und das trotz ihrer wenigen Jahre Berufserfahrung. Damit wird auch für mich eine Tätigkeit im GIS-Bereich attraktiv.“

Johannes Föhr, Bamberg

DVAG-Praxisforum

Das DVAG-Praxisforum findet 1-2x jährlich am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg statt und verfolgt das Ziel, Studierenden Einblicke in das Berufsleben zu gewähren. Verschiedene Geographen aus der Praxis berichten dabei nicht nur über Tätigkeiten aus ihrem Berufsalltag, sondern geben zugleich nützliche Tipps für die Orientierungsphase und Karriereplanung.

nach oben


28. Sept. 2012

Exkursion: Blühende Stadtlandschaften? Impulse durch die Landesgartenschau 2012 in Bamberg.

Am 28. September 2012 kamen 12 ‚angewandte Geographen‘ in Bamberg zusammen, um dem Impuls der Landesgartenschau für die Stadtentwicklung nachzugehen:

alt alt

Auf immerhin rund 20 Hektar wird – in unmittelbarer Nähe zum Weltkulturerbe der Bamberger Innenstadt – eine Stadterweiterung auf industrieller Brachfläche umgesetzt. Architekt Reus – Koordinator für den Projektentwickler – erklärte die planerischen Herausforderungen der Bauvorhaben, die an die Landesgartenschau angrenzen. Frau Plavsic (Bild, 2. von rechts) erläuterte die Philosophie der Gartenschau und die Zielsetzung für die gesamtstädtische Entwicklung.

Weitere Informationen: www.bamberg2012.de

nach oben


21. Mai 2012 DVAG-Praxisforum: Regionalmanagement

18:30 Uhr, Hörsaal C, Institut für Geographie, Kochstraße 4, 91054 Erlangen

Seit 2009 arbeitet Diplom-Geograph Matthias Nicolai als Regionalmanager des Landkreises Erlangen-Höchstadt daran, die Region in Handlungsfeldern wie Wirtschaft, Naherholung und Tourismus zu optimieren und zu stärken. Das Regionalmanagement vernetzt dabei regionale Akteure und bringt den Landkreis und seine Facetten auf die Landkarte Bayerns. In seinem Vortrag berichtet Matthias Nicolai über Projekte wie Klimaschutz- und Naherholungskonzept, geht auf die örtlichen Besonderheiten der Karpfenteichwirtschaft ein und schildert, wie ihm der kommunikative Spagat zwischen Amt, Bürgermeistern und den Landkreisbürgern in der Praxis gelingt.

In Kooperation mit der Fränkische Geographischen Gesellschaft (www.fgg-erlangen.de)

nach oben


 

find us on ...   icon xing 24x24

Unsere Veranstaltungen

Hier finden Sie unsere aktuellen Veranstaltungen

 

Klicken Sie hier

 

Fachzeitschrift

Ausgabe 01-2017:

Falsche DVAG ?

Sie suchen die Deutsche Vermögensberatung?

DVAG Aktuell
DVAG Altersvorsorge
DVAG Unternehmensgruppe

Sondermeldung

Veranstaltungen buchen:

Bei Problemen oder Fragen zur Veranstaltungsbuchung
melden Sie sich bitte direkt beim Veranstalter oder unter: 
geschaeftsstelle@gs.geographie-dvag.de